Trichterbrust
Beschreibung
Ursachen
Symptome
Diagnose
Operation
Nichtchirurgische Behandlung
Nachbehandlung
Beispiele
Was ist eine Trichterbrust? nach
oben
Der Brustkorb dient in erster Linie dem Schutz von Herz und Lungen. Seine
– im Gegensatz zur Bauchwand – steife Form bildet für
die Lungen aber auch die Voraussetzung zur Atmung. Die beiden Lungen sind
nämlich ähnlich einem Ballon elastisch und würden spontan
in sich zusammenfallen (kollabieren), wenn sie nicht mittels Vakuum im
Brustkasten ausgespannt wären.
Der Brustkasten setzt sich aus dem Brustbein vorn in der Mitte und den
Rippen auf beiden Seiten zusammen.

Anatomiebild (Quelle: nach Pernkopf, Anatomie-Atlas,
3. Auflage Bd 2 1989)
Die knöchernen Rippen sind C-förmig. Am Rücken sind sie
einzeln über Gelenke mit den Wirbelkörpern verbunden. Vorne
ist ihre Verbindung zum Brustbein knorpelartig.
Bei der Entstehung einer Trichterbrust sind diese Knorpelanteile der Rippen
eingesunken. Zudem ist das schildartige Brustbein ebenfalls trichterförmig
eingesunken; zusätzlich ist es oft auch noch etwas torquiert.

Trichterbrustauschnitt |

CT-Ausschnitt mit Trichterbrust |
Ursachen nach oben
Wahrscheinlich treten bei der Bildung des Knorpelanteiles Störungen
auf (und zwar im Fermentsoffwechsel). Eine klare Vererbung ist (noch)
nicht ausgewiesen. Allerdings kann in einem Drittel der Fälle ein
familiäres Vorkommen nachgewiesen werden. Jungen sind viel häufiger
betroffen als Mädchen. Die Veränderung kann bis zum Eintritt
in die Pubertät zunehmen.
Früher war Vitamin-D-Mangel eine häufige Ursache zur Entstehung
einer Trichterbrust; man nennt diese Erkrankung Rachitis. Bei uns ist
sie heute äusserst selten geworden. Ebenfalls bekannt ist die Trichterbrust
beim sogenannten Marfan-Syndrom. (Ein berühmter Mann, welcher unter
diesem Syndrom litt, war der amerikanische Präsident Abraham Lincoln.)
Verursacht eine Trichterbrust Symptome? nach
oben
Hinter dem Brustbein befindet sich ein grosser Teil des Herzens. Wenn
der Brustbeinknochen nun nach innen wächst, wird das Herz dadurch
nach links verdrängt. Es wird dort aber nicht eingeschnürt,
sondern findet genügend Platz, da die Lungen im Brustkasten ohne
weiteres ausweichen können. Deshalb kann das Herz seine Pumpfunktion
in den allermeisten Fällen ohne Einschränkung ausführen.
Manchmal können wegen seiner Lageverschiebung gewisse, wiederum meistens
harmlose Herzrhytmus-Veränderungen aufgezeichnet werden.
Die beiden
Lungen finden durch die Verkleinerung des Brustkastens sowie durch die
vermehrte Platzeinnahme das Herzens etwas weniger Entfaltungsmöglichkeiten.
Da der Mensch jedoch sehr grosse funktionelle Lungenreserven (unter anderem
zur Sauerstoffaufnahme) besitzt, spürt der betroffene Mensch dies
nicht. Er kann ohne weiteres und ohne fühlbare Einschränkung
Sport treiben. Nur in ganz ausgeprägten Fällen sind die Limiten
bei körperlicher Anstrengung begrenzt.
Bei Erwachsenen mit ausgeprägter Trichterbrust allerdings wird eine
erhöhte Infektanfälligkeit sowie eine Neigung zu Bronchitis
beschrieben.
Körperliche
Schmerzen verursacht diese Brustwandeformität ebenfalls nicht. Allerdings
kann die oft zu beobachtende, begleitende Fehlhaltung beim Betroffenen
sogenannte Folgebeschwerden verursachen: die nach vorne hängenden,
kaum muskulär gestützten Schultern, damit verbunden eine krumme
buckelartige Haltung der Brustwirbelsäule und eine schlaffe, etwas
ballonartig nach aussen drückende Bauchdecke kann zu Beschwerden
und Haltungsschäden führen (siehe deshalb unbedingt unter „Nichtchirurgische
Behandlung“!)
Am quälendsten
jedoch ist die seelische Belastung. Eine Trichterbrust birgt immer die
Gefahr in sich, dass sie die betroffenen Menschen absondert. Man will
die, als Mangel und Anomalie empfundene Variation der Natur, nicht zeigen,
und weicht so vielen fröhlichen, gesunden, Lebensfreude bietenden
Gelegenheiten aus (z.B. Sport, Strandleben, Körperkontakt usw.).
Vor allem in der Jugendzeit, aber auch später erschwert die Fehlbildung
auch Freude an und die Zufriedenheit über sich selbst. Das Leben
gestaltet sich für die Betroffenen deshalb oft grauer, trauriger,
als es sein müsste.
Wie wird eine Trichterbrust diagnostiziert? nach
oben
Es handelt sich hier um eine Blickdiagnose. Meistens zeigt die ärztliche
Inspektion bereits das ganze Ausmass der Veränderung. Zur Abrundung
der Diagnose, vor allem aber zur Festlegung der Therapie wird der Brustumfang
an verschiedenen Stellen gemessen, und Herz und Lungen werden abgehört.
Technische Untersuchungen komplettieren die Diagnostik. Herz und Lungen
werden ohne und unter körperlicher Belastung getestet und ausgemessen.
Der Brustkasten und die sich darin befindlichen Organe werden geröntgt,
mittels Computertomographie dargestellt und im 3D-Verfahren rekonstruiert.
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Diese
Untersuchung gestattet eine präzise Operationsplanung.
Operation nach oben
Jede Trichterbrust kann operativ korrigiert werden. Es existieren dazu
verschiedene chirurgische Verfahren. 1987 entwickelte Dr. Donald Nuss
in Virginia (USA) eine bahnbrechende Methode. Mit dieser Operation ist
es möglich geworden, die Trichterbrust auf schonende, genial einfache
und ästhetisch sehr befriedigende Art zu korrigieren.
Diese Operation
wird mit Hilfe der Thorakoskopie (=Brustkasten-Spiegelung) vorgenommen.
Das eingesunkene Brustbein wird über einer Metallplatte angehoben,
die knorpeligen Rippenanteile ausgebuchtet. Der Metallbügel ( sog.
Lorenz-Bar) bleibt als Stütze nach der Operation mindestens zwei
Jahre unsichtbar im Körper. Eingeführt wird er über zwei
kleine Schnitte an der Seite des Brustkastens.
Die Operation nach Dr. Nuss ist unter „Operationstechnik“
Schritt für Schritt dargestellt.
Um diesen
minimal invasiven, chirurgischen Eingriff vornehmen zu können, muss
die Trichterbrust einigermassen symmetrisch ausgebildet sein. Andernfalls
müssen zusätzliche Korrektur-Eingriffe durchgeführt oder
überhaupt andere Operationstechniken verwendet werden. Der zuständige,
dafür ausgebildete Chirurg wird die möglichen operativen Schritte
anhand seiner Untersuchungsbefunde (Inspektion und 3D-Rekonstruktion der
Computertomographie) zusammen mit dem Patienten und seinem Hausarzt festlegen.
(Über
weitere Operationsmethoden finden Sie in dieser Webside unter „Ärzte/Therapie“
Hinweise, im Internet zum Beispiel unter dem Suchbegriff „Ravitch“,
„Operation nach Ravitch“.)
Nichtchirurgische Behandlung nach
oben
Patienten mit einer Trichterbrust leiden aufgrund der Einziehung ihres Körpers
sozusagen vorne im Zentrum des Körpers oft an einer daraus resultierenden
körprlichen Fehlhaltung. Die Schultern hängen kraftlos nach vorne.
Verstärkt wird diese Haltung durch eine gebückte Stellung der
Brustwirbelsäule. Schultern und Brustkasten bilden so, von der Seite
betrachtet, eine Art (unnötigen!) Buckel. Diese Körperhaltung
führt zudem auch zur Erschlaffung der Bauchmuskulatur, was sich als
ballonartiges Vorwölben des Bauches äussert.
Die
ganze Haltung wirkt dadurch etwas traurig und hilflos. Damit drückt
sie allerdings präzise das oft auch so empfundene Lebensgefühl
aus – und verstärkt letzteres im Sinne eines Teufelskreises
wieder!
Ob ohne, vor und unbedingt auch nach einer operativen Korrektur, muss
diese schädliche, unnötige Haltung aktiv korrigiert werden!
Am besten geschieht dies unter Anleitung einer erfahrenen Physiotherapeutin.
Mit deren Instruktionen und entsprechenden Übungen (Muskeltrainig,
Haltungstraining), kann eine natürliche Haltung erarbeitet werden.
Bereits vor einer chirurgischen Korrektur verliert die Trichterbrust viel
Belastendes und macht einem positiven Selbstvertrauen Platz.
Nachbehandlung nach oben
Die ersten Tage nach der Operation benötigen die Patienten eine engmaschige
Betreuung im Spital, um auftretende Schmerzen wirksam zu bekämpfen.
Im Regelfall kann die intensive Schmerztherapie zwischen dem dritten und
fünften Tag auf die Gabe von Tabletten ungestellt werden, welche
vom Patienten bei Bedarf eingenommen werden können.
Bereits am ersten Tag nach dem chirurgischen Eingriff kehrt der Operierte
zur vollen Mobilisation zurück, d.h. er kann aufstehen und alle persönlichen
Verrichtungen selbstständig durchführen.
Nach Spitalentlassung – in der Regel zwischen dem 5 und 7 Tag, gelten
die kommenden vier Wochen der Atemgymnastik und dem gezielten Training
zur Gewinnung einer natürlichen, entspannten Körperhaltung.
Nach sechs Wochen ab Operation werden die bisherigen Übungen durch
allgemeines Muskeltraining ergänzt. Spezielle Beachtung finden dabei
die Rumpf- und Schulter-Armgürtel-Muskeln. Ihre Kräftigung trägt
wesentlich zur Bildung einer aufrechten, freien Körperhaltung bei.
Uneingeschränkte sportliche Betätigung ist patientenabhängig
ab dem dritten postoperativen Monat möglich.
Die Lage
des operativ implantierten Metallbügels (Lorenz-Bar) wird bei Symptomfreiheit
halbjährlich mittels zweier Röntgenbilder überprüft.
Der Bügel sollte bei Jugendlichen und Erwachsenen zur Erzielung einer
knöchernen Stabilität optimalerweise mindestens zwei (bis vier)
Jahre im Körper belassen werden; anschliessend wird er ambulant in
einer Kurznarkose entfernt.
Operationsresultate: Beispiele nach
oben
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